Geschichte
Karlstein nahm unter den bömischen Burgen eine Sonderstellung ein. Sie entstand nicht als Verwaltungszentrum einer Herrschaft oder als Königssitz, sie war von Beginn an als Verwahrungsort der döniglichen Schärze, vor allem der Sammlungen von heiligen Reliquien und der Reichskrönungskleinodien bestimmt. Benannt wurde sie nach ihrem Gründer Karl IV., dem böhmixchen König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Der Burgbau begann 1348. Nach historischen Chroniken späterer Zeit wurde Karlstein am 10. juni in Anwesenheit des Prager Erzbischofs Ernst (Arnošt) von Pardubice Gegründet. Bereits nach wenigen Jahren war sie für den Aufenthalt des Königs und Kaisers vorbereitet; dieser Aufenthalt ist 1355 erstmals belegt, als auch der erste Burggraf von Karlstein Vít von Bítov erwähnt wurde. Karl IV. beaufsichtigte die Fertigstellung und besonders die Ausgestaltung der Burg mit ihrer der ungewöhnlichen Funktion und Mission untergeordneten Disposition.
Die architekronische Abfolge des Burgbaus begann mit dem am niedrigsten angeordneten Brunnenturm und dem Burggrafenhaus auf dem Hauptburghof, setzte mit dem mächtigen Kaiserpalast und über ihm mit dem kleineren, dem sog. Marienturm, fort. Der Burgbau gipfelte an der höchsten Stelle des Felsvorsprungs in dem selbständig befestigten, 60 m hohen Grossen Turm mit der Heiligkreutzkapelle, dem Verwahrungsort der Sakramentale und der Reichskrönungskleinodien. Seit Beginn der Hussitenkriege wurden hier fast 200 Jahre lang die Krönungskleinodien der böhmischen Könige und das bömische Archiv verwahrt. Die Heiligkreuzkapelle war mit 130 Bildtafeln aus der Werkstatt des Meisters Theoderich geschmückt, eine bis heute erhaltene weltweit einzigartige gotische Galerie.
Wände und Decke der Kapelle bedeckte Goldverzierung mit eingefassten Halbedelsteinen und Glaslinsen, die am Deckengewölbe dei illusion des Sternenhimmels schufen. So nimmt nicht Wunder, dass bereits dei Chronisten zuzeiten Karls in ihren Aufzeichnungen schrieben, dass es in der ganzen Welt keine Kapelle solcher Herrlichkeit gibt. Der spätgotische und vor allem der Renaissance-Umbau durch den Hofarchitekten Rudolf II. Ulrico Aostalli de Sala veränderte die bauliche Gestalt der Burg, die ihr heutiges Aussehen durch die Bau-restaurierung Ende des 19. Jh. erhielt, die der führende Architekt Josef Mocker im Geiste des Purismus leitete.
Merkwürdigkeit
Ganz einzigartige ursprüngliche Wandausschmückung aus dem 14. Jahrhundert, die Sammlung von 129 Tafelgemälden vom Meister Theodorikus in der Kreuzkapelle (die größte in der ganzen Welt), die größte Porträtsgallerie de böhmischen Herscher in der Tschechischen Republik, die ausgestellte Replik der Sankt Wenzelskrone der böhmischen Könige, der einzigartige Brunnenturm.


